Unsere ReferentInnen 2016

Dienstag, 19. April, 19.00 Uhr

Anders wirtschaften ist machbar, Frau Nachbar. 
Weltweite Beispiele gelingender Projekte, die Glück und Gemeinwohl steigern.

Vortrag von Annette Jensen & Ute Scheub mit Musik von Christian Gayed

+ Workshop am Mittwoch, 20. April um 9.30 Uhr

Anders wirtschaften ist machbar, Frau Nachbar
Weltweite Beispiele gelingender Projekte, die Glück und Gemeinwohl steigern

Das große Versprechen des Kapitalismus lautete: „Unsere Kinder werden es einmal besser haben.“ Angesichts der gewaltigen ökosozialen Probleme spricht vieles dafür, dass es genau umgekehrt kommt. Deshalb haben überall auf der Welt Gruppen, Betriebe, Kommunen, Nachbarschaften und Einzelpersonen angefangen, Lebensbereiche umzugestalten. Fröhlich und ohne Konfrontation wuchern diese Projekte in das Alte hinein, inspirieren sich gegenseitig und entdecken Gleichgesinnte auf der ganzen Welt. 

Die Natur bringt aus demselben Material immer Neues hervor, die Vielfalt wächst, Müll gibt es nicht. Das kann als Vorbild für eine echte Kreislaufwirtschaft dienen. Erste Beispiele gibt es schon – und sie alle zeigen: Es geht nicht in erster Linie um Technik, sondern um Kooperation und Kollektivintelligenz.

Wir stehen am Rande einer Großen Transformation. Die Gefahren sind gewaltig – aber es gibt auch enorme Chancen. Dafür nötig sind unter anderem: eine ökosoziale Kreislaufwirtschaft, die Organisation von Infrastrukturen als Gemeingüter, der Umbau der Schulen zu Kreativlaboren, eine Vertiefung von Demokratie, Menschen- und Frauenrechten und der Aufbau regenerativer Agrikultur. Annette Jensen und Ute Scheub werden diese Projekte vorstellen, die alle immer weniger auf dem gierigen Wunsch nach dem "immer mehr", als dem Bedürfnis nach Sinn und Selbstgestaltung des eigenen Lebensumfeldes beruhen.

Mittwoch, 20. April, 19.00 Uhr

Globality – auch für Migranten. 
Flüchtende und andere nicht so reiche Menschen.

Vortrag von Kilian Kleinschmidt mit Musik von Arne Frercks

+ Workshop am Donnerstag, 21. April um 9.30 Uhr

Globality - auch für Migranten
Flüchtende und andere nicht so reiche Menschen 

Ein neues Zeitalter der globalen Migration ist angebrochen. Vernetzung - Transport - Kommunikation erlauben es allen Menschen schneller und mehr zu reisen, zu wissen wie es anderswo aussieht und global zu kommunizieren. Dieses Privileg gehört nun nicht nur mehr den Reichen und Wohlhabenden dieser Welt. Mauern, Zäune, Kriegsschiffe und andere abschreckende  Massnahmen sind das letzte verzweifelte Zucken einer Politik und einer Gesellschaft die sich gegen die Realitäten des 21. Jahrhundert versucht zu wehren. Vernetzung und Globalisierung werden sich mehr und mehr sozialisieren und dezentralisieren. Es geht darum ein neues Paradigma für globale Migrations und Fluchtbewegungen zu entwickeln.

Donnerstag, 21. April, 19.00 Uhr

Wege der Transformation. 
Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur lokal-konvivalen* Versorgungswirtschaft.

Vortrag von Christian Hiß mit Musik von Arne Frercks

+ Workshop am Freitag, 22. April um 9.30 Uhr

Wege der Transformation
Von der bäuerlichen Landwirtschaft zur lokal-konvivalen Versorgungswirtschaft

Die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft ist in unserer industriell- und dienstleistungsgeprägten Gesellschaft überholt. Landwirtschaftliche Betriebe sind zwar weiterhin überwiegend Familienbetriebe, wurden aber zu einem  Baustein in einer arbeitsteilig und weitgehend industriell organisierten Ernährungswirtschaft. 

Dennoch gilt die bäuerliche Landwirtschaft  zunehmend wieder in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und innerhalb des Berufsstands als die bevorzugte Form, wenn es darum gehen soll, ökonomische, ökologische und soziale Herausforderungen gleichzeitig zu bewältigen und außerdem die steigende Zahl der Menschen weltweit mit Nahrungsmitteln zu versorgen. 

Regionale Herkunft von Nahrungsmitteln ist bei vielen Konsumentinnen und Konsumenten zum Synonym für ´zukunftsfähig´ und ´nachhaltig´ geworden. Handelsunternehmen und Tourismus nutzen die Bilder ‚intakter’ bäuerlicher Strukturen, obwohl die gegenwärtigen Produktionsweisen oft nicht mehr viel mit bäuerlichem Wirtschaften zu tun haben. 

Was können wir von den tradierten bäuerlichen Wirtschaftsformen lernen? Welche bäuerlichen Verhaltens- und Wirtschaftsweisen sind interessant und wichtig für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges und resilientes Leben und Wirtschaften? Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, dass die positiven Merkmale bäuerlichen Wirtschaftens in neue Organisationsformen und auch in andere Größenordnungen, wie z.B. lokale Wirtschaftsräume und regionale Wertschöpfungsketten, übertragen werden. Es muss daher darum gehen, einen Weg der Transformation von der historischen bäuerlichen Landwirtschaft zu einer neuen lokalen Versorgungswirtschaft zu finden. 

* Konvival = eigentlich ein englisches Wort, und meint in der Alltagssprache so etwas wie "fröhliches Beisammensein".

Freitag, 22. April, 19.00 Uhr

Ausstieg aus der Megamaschine. 
Netzwerke lokaler und regionaler Selbstorganisation

Vortrag von Fabian Scheidler mit Musik von Gerald Eckert

+ Workshop am Samstag, 23. April um 9.30 Uhr

Ausstieg aus der Megamaschine
Netzwerke lokaler und regionaler Selbstorganisation

Die wachsende Instabilität und der mögliche Verfall des seit etwa 500 Jahren über die Erde verbreiteten (kapitalistischen) Weltsystems eröffnen einen Möglichkeitsraum für Veränderungen, wie es ihn seit Jahrhunderten nicht gegeben hat. Dabei bereitet sich ein Ausstiegsszenario vor, im Widerstand gegen das Alte als auch im Aufbau des Neuen. Diese Abwehrkämpfe bringen vereinzelte Menschen zusammen; sie überwinden die Barrieren von Bildung, Klasse und Herkunft.

Aber es gibt keinen Masterplan für das eine System, dass das bisherige ersetzt. Anstelle dieses Plans zeichnet sich ein Mosaik, ein Patchwork ab, dass sich an die lokalen und kulturellen Bedingungen anpasst. Der Ausstieg aus der Megamaschine des alten Systems des universalistischen Denkens ist kein Manko,  sondern ein Lernfortschritt.  

Fabian Scheidler, Autor des Buches „ Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation",  stellt eine konkrete Utopie vor, die der zukunftslosen globalen Wirtschaftsmaschinerie ein Netzwerk lokaler und regionaler Selbstorganisation gegenüberstellt. 

Samstag, 23. April, 19.00 Uhr

Oberflächenbewußtsein? 
Mode als Spiegel der Gesellschaft und des inneren Ichs. 

Vortrag von Eva Gronbach mit Musik von Gerald Eckert

+ Workshop am Sonntag, 24. April um 9.30 Uhr

"Oberflächenbewußtsein"
Mode als Spiegel der Gesellschaft und des inneren Ichs.
 

Macht meine Entscheidung was ich trage noch sichtbar, was mich innerlich bewegt, wer ich bin oder sein will?  Ein Mainstream des wenig auffallen Wollens, kein Risiko Eingehens, der Gleichschaltung von Mann und Frau, von arm und reich hat sich verbreitet. Auf der ganzen Welt laufen sogenannte "Normcore" Uniformierte durch die Straßen. Als beste Beispiele gelten dabei Steve Jobs und Marc Zuckerberg. 

Das Gefühl, was man weltweit tragen muss, um jeweils dazu zu gehören, hat durch Digitalisierung und Social Media eine Sicherheit erlangt, die einem Zwang gleich kommt und die letzten kulturellen Unterschiede nivelliert. Selbst die geflüchteten jungen Menschen greifen zielsicher zu bereits vertrauten Marken als erste Handlung der Integration: so falle ich am wenigsten in der neuen Umgebung auf. Die Folklore "fremder" Kulturen verliert seine Berechtigung im Alltag oder wird sogar als Zeichen des Feindlichen verstanden.

Instragram prägt sämtliche Erlebnisse schon im Voraus gleich, Individualität im Ausdruck wird aufgehoben. Der Wunsch nach einer  Gruppe, nach  Zugehörigkeit und Kommunikation erhöht sich, rein äußerlich.  Dies demokratisiert die Mode enorm und schafft sie gleichzeitig  ab. Geht da noch was oder hat Mode den Zenit überschritten? 

Eva Gronbach ist sicher, dass neues Bewusstsein für diese zweite Haut innere und äußere Wandlungsprozesse unterstützt. Die Demokratisierung der Mode kann die scheinbar "oberflächlichen" Entscheidungen des Entwurfes und der Produktion vertiefen und somit auch politische Wirksamkeit erreichen. 

Musik und bildende Kunst 2016

Christian Gayed
studierte Schulmusik und Kontrabass in Detmold. Parallel nahm er Dirigierunterricht beim damaligen Münchner GMD Sergiu Celibidache. er arbeitet als Dirigent, Komponist, Kontrabassist und Musikpädagoge. Er gründete und leitet die Orchesterwerkstatt „norddeutsche sinfonietta“ mit Schwerpunkt zeitgenössischer Musik. 

Arne Frercks
43, arbeitet mit geistig beinträchtigten Menschen, leitet Bandprojekte für Menschen mit Behinderung, produziert Musik mit ungewöhnlichen Klangerzeugern und erforscht die Wirkung von Klang und Musik auf Menschen. Als Autodidakt spielt er seit 1990 in Bands und als Straßenmusiker und in Theaterprojekten. 

Die Kompositionen

Walzer für einen Riesen

und

Kaskade

für Sansulas, Hang, Gitarre, Stimmen, Schlitztrommeln und Synthesizer

Beide werden aufgeführt von Katrin Frey und Arne Frercks.

Gerald Eckert 
55, studierte Violoncello, Dirigieren, Mathematik und Komposition u.a. bei Walter Zimmermann, Nicolaus A. Huber und Dirk Reith. Einem Arbeits- und Forschungsaufenthalt am CCRMA der Stanford University folgte eine Dozentur bei den Internationalen Ferienkursen in Darmstadt und auf dem Internationalen Festival in Akiyoshidai/ Japan. Gerald Eckert erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Er ist Mitinitiator des „Chiffren“-Festivals Kiel 2006 und der „ProvinzLärm“-Festivals Eckernförde.  

Kunst Imbiss
Der Kunst Imbiss bezieht seine Form aus einem Alltags-Phänomen: die vorgefundene Form des Imbiss-Standes wird umgewandelt und dient als „Tarnung für die Kunst“. Als leuchtende Skulptur lockt der Kunst Imbiss die Menschen schon von Weitem an. Erst in der Nahsicht wird das Verwechslungsspiel offenbar: es gibt weder Wurst noch Pommes, stattdessen können Arbeiten von über 90 Künstlerinnen und Künstlern in Form von geistiger Nahrung genossen werden. Guten Appetit.  

Claudia Henzler
Über 50 Länder hat sie bereist. Die intensive Auseinandersetzung mit Kulturen und Traditionen dieser Welt, prägt das dialogorientierte Schaffen der gebürtigen Heidelbergerin. Sie lebt in Salzburg und ist international tätig. Mittels Fotografie und Kunst verbindet Claudia Henzler Menschen und fördert Begegnung, Kommunikation und Horizonterweiterung. 2012 erhielt Claudia Henzler für Ihren SREBRENICA-Zyklus den „St. Leopold FRIEDENSPREIS für humanitäres Engagement in der Kunst“. Dieser Zyklus wird parallel zu Tage der Utopie im Christian Jensen Kolleg ausgestellt.